Unterbiss: wenn die unteren Zähne vor den oberen stehen
Die seltenere, aber dringlichere Fehlstellung – und der Grund, warum man hier nicht abwartet.
Beim Unterbiss beißen die unteren Schneidezähne vor die oberen. Fachlich heißt das Progenie oder mesiale Bisslage. Die Fehlstellung ist deutlich seltener als der Überbiss – und sie ist die einzige, bei der man in der Regel nicht abwartet.
Warum die Zeit hier drängt
Ein Unterbiss verstärkt sich mit dem Wachstum, statt sich auszugleichen: Der Unterkiefer wächst länger als der Oberkiefer, und je länger die falsche Verzahnung besteht, desto mehr hält sie den Oberkiefer zurück. Deshalb wird hier oft schon im Milchgebiss oder frühen Wechselgebiss behandelt.
Die Behandlung
Im Wachstum wird der Oberkiefer nach vorn gelenkt, meist mit einer Gesichtsmaske in Kombination mit einer Gaumennahterweiterung. Das verlangt Mitarbeit: Die Maske wird nachts getragen. Nach Abschluss des Wachstums bleibt bei ausgeprägtem Befund nur die kombinierte Behandlung aus Kieferorthopädie und Kieferchirurgie.
Woran man ihn erkennt
Das Kinn wirkt vorstehend, die Oberlippe eher flach. Beim Zubeißen sieht man die unteren Schneidezähne vor den oberen. Manche Kinder schieben den Unterkiefer beim Zubeißen nach vorn, weil die Zähne sonst nicht zusammenpassen – das ist ein Zwangsbiss und gehört untersucht.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Beim Unterbiss stehen die unteren Schneidezähne vor den oberen. Er ist selten, aber die dringlichste Fehlstellung.
- Er verstärkt sich mit dem Wachstum, statt sich auszugleichen – deshalb wird oft schon im Milch- oder frühen Wechselgebiss behandelt.
- Im Wachstum wird der Oberkiefer nach vorn gelenkt, meist mit Gesichtsmaske und Gaumennahterweiterung.
- Nach Abschluss des Wachstums bleibt bei ausgeprägtem Befund nur die kombinierte Behandlung mit einem chirurgischen Eingriff.
Kurz beantwortet
Häufig gestellte Fragen
Sobald er erkannt wird. Anders als bei den meisten Fehlstellungen wartet man hier nicht auf den Zahnwechsel. Eine Behandlung im Milchgebiss oder frühen Wechselgebiss kann den späteren Eingriff vermeiden oder zumindest verkleinern.
Häufig ja – die Kiefergröße ist stark erblich. Es gibt aber auch erworbene Formen, etwa durch einen Zwangsbiss: Wenn die Zähne nicht zusammenpassen, schiebt das Kind den Unterkiefer nach vorn, und das prägt die Entwicklung mit.
Im Wachstum in vielen Fällen ja. Nach dem Wachstum lassen sich die Zähne so stellen, dass die Verzahnung stimmt, die Kieferlage selbst bleibt. Wie weit das trägt, hängt vom Ausmaß ab.
Der Unterkiefer wird beim Zubeißen aus seiner natürlichen Lage gezwungen, weil die Zähne sonst nicht aufeinanderpassen. Das belastet das Kiefergelenk und kann die Kieferentwicklung in die falsche Richtung lenken. Ein Zwangsbiss gehört zeitnah untersucht.