Kreuzbiss: wenn die Zähne seitenverkehrt aufeinandertreffen
Eine Fehlstellung, die das Kiefergelenk zwingt – und die selten bis zum Zahnwechsel warten sollte.
Normalerweise greifen die oberen Seitenzähne außen über die unteren, wie ein Deckel über einen Topf. Beim Kreuzbiss ist das an einer oder mehreren Stellen umgekehrt: Die unteren Zähne beißen außen an den oberen vorbei.
Die häufigste Ursache
Ein zu schmaler Oberkiefer. Er kann anlagebedingt sein oder sich so entwickelt haben – etwa bei dauernder Mundatmung, wenn die Zunge nicht am Gaumen anliegt und ihn deshalb nicht von innen formt. Vergrößerte Rachenmandeln sind hier ein häufiger Hintergrund.
Warum nicht abgewartet wird
Passt die Verzahnung nicht, schiebt der Unterkiefer beim Zubeißen zur Seite aus – ein Zwangsbiss. Das belastet das Kiefergelenk einseitig und kann auf Dauer die Gesichtsentwicklung asymmetrisch werden lassen. Deshalb ist der Kreuzbiss neben dem Unterbiss die Fehlstellung, bei der eine Frühbehandlung häufig angezeigt ist.
Die Behandlung
Der Oberkiefer wird geweitet. Bei Kindern geschieht das über die Gaumennaht, die noch nicht verknöchert ist: Eine Apparatur mit einer Schraube dehnt sie in kleinen Schritten, der Knochen füllt den Spalt auf. Nach der Pubertät ist die Naht verwachsen – dann braucht es entweder eine chirurgisch unterstützte Weiterung oder ein anderes Vorgehen.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Beim Kreuzbiss beißen untere Zähne außen an den oberen vorbei – an einzelnen Zähnen oder ganzen Seiten.
- Ursache ist meist ein zu schmaler Oberkiefer, häufig verbunden mit dauernder Mundatmung.
- Der Unterkiefer weicht beim Zubeißen zur Seite aus. Das belastet das Kiefergelenk und kann das Gesicht asymmetrisch entwickeln lassen.
- Solange die Gaumennaht offen ist, lässt sich der Oberkiefer ohne Operation weiten. Nach der Pubertät wird es aufwendiger.
Kurz beantwortet
Häufig gestellte Fragen
In aller Regel ja, und zwar zeitnah. Er verwächst sich nicht, und je länger der Unterkiefer beim Zubeißen ausweicht, desto mehr prägt das die Entwicklung von Gelenk und Gesicht.
Eine festsitzende Apparatur wird an den oberen Backenzähnen verankert. Eine Schraube in der Mitte wird täglich ein Stück gedreht und dehnt die Gaumennaht. Der entstehende Spalt füllt sich mit Knochen. Die aktive Phase dauert wenige Wochen, danach bleibt die Apparatur noch einige Monate zur Stabilisierung.
Beim Drehen spürt man einen Druck hinter der Nase, manchmal kurz tänzelnde Zähne. Schmerzen im eigentlichen Sinn sind selten. Eine Lücke zwischen den oberen Schneidezähnen ist erwünscht und schließt sich von selbst wieder.
Ja, aber anders. Die Gaumennaht ist verwachsen; eine Weiterung braucht dann chirurgische Unterstützung. Bei einzelnen Zähnen im Kreuzbiss reicht oft eine gewöhnliche kieferorthopädische Korrektur.