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Kieferorthopädische Verankerung: Mini-Implantate als fester Punkt

Jede Kraft hat eine Gegenkraft. Die Frage ist, wo sie ankommt.

Wer einen Zahn nach vorn zieht, zieht die Gegenseite nach hinten – das ist Physik und lässt sich nicht abschalten. In der Kieferorthopädie heißt das Problem Verankerungsverlust: Die Zähne, gegen die man arbeitet, bewegen sich mit, obwohl sie stehen bleiben sollen.

Die Lösung

Eine kleine Schraube aus Titan, wenige Millimeter lang, wird in den Kieferknochen gesetzt – zwischen den Wurzeln oder am Gaumen. Sie verwächst nicht wie ein Zahnimplantat, sondern klemmt mechanisch. Gegen sie lässt sich ziehen, ohne dass sie sich bewegt.

Was dadurch möglich wird

Zähne körperlich weit zu verschieben, ohne die Gegenseite zu opfern. Einen einzelnen Zahn gezielt in der Höhe zu bewegen – etwa einen gewanderten Gegenzahn, der in eine Lücke gewachsen ist. Einen tiefen Biss zu öffnen. Und vieles, wofür früher ein Headgear nötig war, der nur wirkt, wenn er getragen wird. Die Schraube wirkt immer.

Der Eingriff

Unter örtlicher Betäubung, wenige Minuten, meist ohne Naht. Danach ist die Stelle ein bis zwei Tage druckempfindlich. Die Schraube bleibt, solange sie gebraucht wird – einige Monate bis zwei Jahre – und wird am Ende ebenso unkompliziert wieder entfernt.

Was zu beachten ist

Das Zahnfleisch rund um die Schraube braucht Aufmerksamkeit: Entzündet es sich, kann sie sich lockern. Reinigung mit einer weichen Bürste und der vorgesehenen Spülung gehört dazu. Und: Es ist eine private Leistung, auch innerhalb einer Kassenbehandlung.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Jede Kraft hat eine Gegenkraft – ohne festen Punkt bewegen sich auch die Zähne, die stehen bleiben sollen.
  • Eine wenige Millimeter lange Titanschraube im Kieferknochen dient als solcher fester Punkt.
  • Sie ermöglicht Bewegungen, die früher nicht oder nur mit einem Headgear gingen – und sie wirkt ohne Mitarbeit.
  • Der Eingriff dauert Minuten unter örtlicher Betäubung. Das Zahnfleisch rundherum braucht Pflege.

Kurz beantwortet

Häufig gestellte Fragen

Nein. Ein Zahnimplantat verwächst mit dem Knochen und trägt einen Zahnersatz. Die kieferorthopädische Schraube klemmt nur mechanisch, ist viel kleiner und wird nach der Behandlung wieder entfernt.

Unter örtlicher Betäubung nicht. Danach ist die Stelle ein bis zwei Tage druckempfindlich, vergleichbar mit dem Gefühl nach dem Nachstellen der Spange.

Das kommt vor, vor allem wenn sich das Zahnfleisch rundherum entzündet. Dann wird sie entfernt und an anderer Stelle neu gesetzt. Sorgfältige Reinigung senkt das Risiko deutlich.

In der Regel nicht – sie gilt als private Zusatzleistung, auch wenn die übrige Behandlung von der Kasse getragen wird. Der Betrag gehört vorab in die Mehrkostenvereinbarung.