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Kieferwachstum: das Zeitfenster der Kieferorthopädie

Solange gewachsen wird, lässt sich lenken. Danach nur noch stellen.

Die Kieferorthopädie kann zwei verschiedene Dinge: Zähne bewegen und Kieferwachstum lenken. Das erste geht lebenslang, das zweite nur, solange gewachsen wird. Daraus ergibt sich fast der gesamte Zeitplan des Fachs.

Wie die Kiefer wachsen

Der Oberkiefer wächst vor allem in die Breite – über die Gaumennaht, die erst nach der Pubertät verknöchert. Das ist das Zeitfenster für die Gaumennahterweiterung. Der Unterkiefer wächst länger, mit einem deutlichen Schub in der Pubertät – bei Mädchen etwa zwei Jahre früher als bei Jungen. Diesen Schub nutzt man, um einen zurückliegenden Unterkiefer nach vorn zu lenken.

Warum die Zunge mitspielt

Der Oberkiefer wird von innen durch die Zunge geformt und von außen durch Wangen und Lippen. Liegt die Zunge nicht am Gaumen – etwa bei dauernder Mundatmung – fehlt der Gegendruck, und der Kiefer bleibt schmal. Ein hoher, spitzer Gaumen ist oft die sichtbare Folge.

Wann das Wachstum endet

Das lässt sich nicht am Kalender ablesen. Der Kieferorthopäde schätzt es an einer seitlichen Röntgenaufnahme des Schädels ab, teils an einer Handaufnahme. Grob: bei Mädchen etwa mit 16 bis 18, bei Jungen mit 18 bis 21 Jahren – mit erheblichen Unterschieden im Einzelfall. Ein Restwachstum des Unterkiefers bis ins dritte Lebensjahrzehnt ist beschrieben.

Was daraus folgt

Wachstumsabhängige Behandlungen – Unterbiss, Gaumennahterweiterung, das Vorlenken des Unterkiefers – haben ein Zeitfenster, das sich schließt. Deshalb wird bei diesen Befunden nicht abgewartet. Alle übrigen Korrekturen haben es nicht eilig.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Zähne bewegen geht lebenslang. Kieferwachstum lenken nur, solange gewachsen wird.
  • Der Oberkiefer wächst in die Breite über die Gaumennaht – sie verknöchert nach der Pubertät.
  • Der Unterkiefer hat einen Wachstumsschub in der Pubertät, bei Mädchen etwa zwei Jahre früher als bei Jungen.
  • Das Ende des Wachstums wird am Röntgenbild abgeschätzt, nicht am Alter.

Kurz beantwortet

Häufig gestellte Fragen

Grob bei Mädchen mit 16 bis 18, bei Jungen mit 18 bis 21 Jahren – individuell sehr verschieden. Der Kieferorthopäde schätzt es an einer Röntgenaufnahme ab, nicht am Geburtsdatum.

Häufig, weil die Zunge ihn nicht von innen geformt hat – typisch bei dauernder Mundatmung, etwa durch vergrößerte Rachenmandeln. Ein hoher, spitzer Gaumen und ein Kreuzbiss sind die häufigen Folgen.

Lenken ja, erzeugen nein. Eine Apparatur kann die Richtung des vorhandenen Wachstums beeinflussen und den Unterkiefer in eine günstigere Lage führen. Sie kann keinen Kiefer wachsen lassen, der nicht wächst.

Ja, lebenslang. Der späte Engstand der unteren Schneidezähne zwischen 20 und 40 ist verbreitet und tritt auch ohne vorherige Behandlung auf – ein Grund, warum Retainer heute langfristig gedacht werden.