Überbiss: wenn die oberen Schneidezähne zu weit vorstehen
Ein paar Millimeter Überstand sind normal. Ab wann es keiner mehr ist.
Beim Zubeißen stehen die oberen Schneidezähne normalerweise zwei bis drei Millimeter vor den unteren. Ist der Abstand deutlich größer, spricht man von einem vergrößerten Überbiss – fachlich von einer vergrößerten Frontzahnstufe oder Distalbisslage.
Woher er kommt
Meist liegt der Unterkiefer im Verhältnis zum Oberkiefer zu weit hinten. Das ist in der Regel anlagebedingt. Verstärkt wird es durch Gewohnheiten, die die oberen Schneidezähne nach vorn schieben: langes Daumenlutschen, ein Schnuller über das dritte Lebensjahr hinaus, das Vorschieben der Zunge beim Schlucken.
Warum er behandelt wird
Weit vorstehende Schneidezähne sind verletzungsgefährdet: Bei einem Sturz oder Stoß brechen sie eher ab als geschützt stehende. Die Gefahr steigt messbar, je weiter sie vorstehen. Dazu kommen ungleich verteilte Kaukräfte und, bei ausgeprägten Fällen, ein Lippenschluss, der nicht mehr ohne Anstrengung gelingt.
Wie behandelt wird
Im Wachstum lässt sich der Unterkiefer mit einer herausnehmbaren oder festen Apparatur nach vorn lenken – das ist der günstigste Weg und der Grund, warum die Vorstellung mit acht bis neun Jahren sinnvoll ist. Nach dem Wachstum bleibt die Korrektur der Zahnstellung; bei stark abweichender Kieferlage kommt ein chirurgischer Eingriff in Betracht.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Normal sind zwei bis drei Millimeter Überstand der oberen Schneidezähne. Deutlich mehr gilt als vergrößerter Überbiss.
- Meist liegt der Unterkiefer zu weit hinten – anlagebedingt, verstärkt durch Lutschgewohnheiten und Zungenpressen.
- Weit vorstehende Schneidezähne brechen bei Stürzen deutlich häufiger ab. Das ist der wichtigste medizinische Grund zu behandeln.
- Im Wachstum lässt sich die Kieferlage lenken, danach nur noch die Zahnstellung – oder chirurgisch.
Kurz beantwortet
Häufig gestellte Fragen
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Behandlung, wenn die Frontzahnstufe mehr als sechs Millimeter beträgt; zwischen drei und sechs Millimetern greift sie nur bei zusätzlichen Befunden. Medizinisch sinnvoll kann eine Behandlung auch darunter sein – dann privat.
Nein. Die Kieferlage verändert sich im Wachstum, aber nicht in Richtung Ausgleich. Ein ausgeprägter Überbiss bleibt ohne Behandlung bestehen und kann sich durch Gewohnheiten sogar verstärken.
Der Überbiss beschreibt den Abstand nach vorn, der Tiefbiss die Überlappung nach unten: Beim Tiefbiss verdecken die oberen Schneidezähne die unteren zu weit. Beides kann gemeinsam auftreten.
Nein. Zahn- und Kieferbewegungen brauchen dauerhaften Druck; Übungen allein bewegen keine Zähne. Eine Myofunktionstherapie kann eine Behandlung begleiten, indem sie Zungen- und Lippenfunktion korrigiert – ersetzen kann sie die Apparatur nicht.